Internationaler Friedenskongress 2006, Geistige Wege Heute - für mehr Frieden und Toleranz
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Weltweite Erfahrungen und örtliche Impulse im Dialog der Religionen

Dr. Franz Brendle

1. Bedeutung der Religionen in einer säkularen Welt

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachtet man ein Wiedererwachen des Religiösen, jedoch nicht in erster Linie unter dem Dach der bestehenden Religions-gemeinschaften. Wo Religionen sich auf ihre eigentliche Aufgabe, auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, das heißt wo sie geistige Werte als die Botschaft für gelingendes Zusammenleben der Menschen verschiedener Kulturen und auch säkularisierter Traditionen anbieten, werden sie auch in Zukunft gefragt sein.

2. Mögliche Aufgabe der Religionen

Religionen – so verschieden sie auch sind – müssten Antworten geben auf Grundfragen des Menschen u.a.: Woher kommt die Welt und ihre Ordnung? Warum sind wir geboren und warum müssen wir sterben? Was bestimmt das Schicksal des Einzelnen und der Menschheit? Wie begründet sich das sittliche Bewusstsein, das Vorhandensein ethischer Normen? Gibt es Wege aus der Not, aus dem Leid und der Schuld? Gibt es Zugang zu einem dauernde, bleibenden, ewigen Heil, oder wie immer es genannt wird? Religionen sind nur bedeutsam, wenn sie Menschen in ihren konkreten Fragen und Nöten, ihren Hoffnungen und Erwartungen treffen.

Es ist vor allem wichtig, dass die Religionen in diesen Fragen kooperieren.

3. Weltweite Erfahrungen und örtliche Impulse

In Afrika und in Osteuropa konnte in den letzten Jahren auf Initiative von „Religions for Peace“ (RfP/WCRP) „Runde Tische der Religionen“ (Interreligious Councils) gegründet werden. Den religiösen Führern ist es zu verdanken, dass eine Reihe von Konflikten zum Beispiel in Sierra Leone und im ehemaligen Jugoslawien eine friedliche Lösung finden konnten.

Auch in unserem Land finden sich auf Einladung von „Religions for Peace“ regelmäßig interreligiöse Gruppen zusammen, die im Dialog und in gemeinsamen Aktionen vor Ort zum Frieden zwischen den Religionen und zur Verständigung zwischen Menschen verschiedener religiöser Traditionen beitragen.

Es ist notwendig, über die unterschiedlichen Standpunkte hinweg das gemeinsame und verbindende zu finden im Blick auf ein gelingendes Zusammenleben in unserer Gesellschaft.

Dies aber setzt notwendigerweise eine interreligiöse Kooperation voraus, auf der wissenschaftlichen Ebene, aber auch von Mensch zu Mensch, in der Begegnung, im Dialog, als Grundlage zu Verständnis des anderen. Und nicht zuletzt muss es in diesem Zusammenhang auch Aufgabe der Religionen und des Interreligiösen Dialoges sein, gemeinsam die Stimme zu erheben, wenn vor Ort oder weltweit Menschenrechte mit Füßen getreten werden, wenn die Sprache der Waffen vor dem Sprechen miteinander steht.

 

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