Internationaler Friedenskongress 2006, Geistige Wege Heute - für mehr Frieden und Toleranz
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Der Trialog

Es gibt in der bunten Welt der Religionen, besonders in den letzten Jahren immer mehr Aktivitäten zum „Trialog“, also dem trilateralen Dialog der drei abrahamischen Religionen Judentum, Christentum und Islam – nicht als Konkurrenz, aondern zur Ergänzung der bestehen¬den bilateralen Dialoge.

Der Trialog kann und soll auf vier verschiedenen Ebenen stattfinden. 1. Dogmatisch: Basierend auf gemeinsamer Vergangen¬heit, Philosophie und Lehre, 2. Ethisch: über gemeinsame Werte und Normen, 3. Praktisch: zu wichtigen Fragen und Herausforderungen des Alltagslebens und gemeinsamer Initiativen und Projekte (z.B. Abrahamsfeste, Abrahamshäuser, Abrahamische Teams in den Schulen), bis hin zur spirituellen Gemeinschaft, wie beispielsweise dem gemeinsamen Gebet von Juden, Christen und Muslimen anhand des ersten gemeinsamen Gebetbuches („Gemeinsam vor Gott“, 2. Auflage 2006). Gemeinsam zu beten ist möglich, weil Juden, Christen und Muslime an denselben Gott glauben in dem Wissen, dass alle Menschen von denselben Themen des Lebens betroffen sind:

Von der Not bis zur Freude. Von der Krankheit bis zum Glück. Von der Geburt bis zum Tod.

Aufgabe des Trialogs ist der Bau von Brücken, damit die Religionen intern aber auch untereinander Brüder und Schwesternwerden.

Dr. Bauschke

Aus dem Trialog:

Dr. N. Elyas:
Man versucht, uns der wichtigsten Einheit zu berauben. Dass wir alle den gleichen Gott haben. Doch den haben wir. Aber wir haben – bei voller Hochachtung – jedoch auch andere Bilder und Ideen von Gott.

 

S.-R. Schumann:
Es geht nicht primär um Toleranz, sondern um die Hochachtung und Anerkennung von Gren¬zen. Der gemeinsame Nenner ist, dass wir alle Teil der Schöpfung, aber grenzbare Individuen sind. Die jüdische Religion ist eine Diskussionsreligion. Die eigene Wahrheit soll an Anderen überprüft werden können.

 

Dr. M. Bauschke:
Neben den vier Hauptrichtungen innerhalb der Religionen (Orthodoxie, Liberale, Säkulare und Mystiker), die zusammen jeweils den „Mainstream“ der Religionen ausmachen, gibt es zwei weitere Richtungen: Fundamentalistische und militant fundamentalistische Strömungen. Es scheint, als würden die eigentlich Gräben gar nicht so sehr zwischen den als Religionen liegen vielmehr innerhalb der Religionen entlang dieser Strömungen. Hier ist eine große Aufgabe, zuerst bei sich selbst nachzusehen. Der Umgang mit dem Thema Gewalt kann ein Gradmesser sein für die Qualität der Integration.

 

Dr. N. Elyas:
Nicht die Religionen sind es, die sich bekriegen. Es ist, was die Menschen daraus machen. Denn die Religionen sind so ähnlich, fast gleich. Es sind Kriege von Institutionen und Interessen. Der Dialog muss den Missbrauch aufzeigen, der im Namen von Religionen „geführt“ wird.

 

S.-R. Schumann:
Menschen sind Schöpfung, nicht Schöpfer. Wir sollten unsere Gemeinsamkeit auch gemein¬sam entdecken, um die Schöpfung gemeinsam zu schützen.

 

Dr. M. Bauschke:
Das letzte Jahrhundert hat bereits viel im Dialog und zum Frieden beigetragen, was eine neue gestärkte Entwicklung zu Folge hatte. Eigentlich ist das „Weltethos“ schon lange da, es ist die ethische Quintessenz der Religionen – vor allem in Gestalt der Goldenen Regel, die man weltweit in ähnlicher Formulierung finden kann. Man muss sie „nur“ - endlich - leben.

 

Dr. N. Elyas:
Wir müssen alle gemeinsam gegen gewaltbereite, fanatische Strömungen vorgehen. Egal wo¬her sie kommen. Es darf nicht passieren, dass verfremdete Interpretationen zu Ideologien mit der Folge von Ausgrenzung von Religionen führen.

 

Dr. M. Bauschke:
Die Basis für das Kennenlernen ist insbesondere mehr Information, beginnend in der Schule. Gleiches gilt für Friedenspädagogik. Das Wissen um die Inhalte „der Nachbarn“. Wir sollten in der eigenen Religion zuhause sein, und in den anderen Religionen gut informierte Gäste sein, nicht aber Fremde.

 

S.-R. Schumann:
Es gibt mehr als nur Informationen, mehr als den jetzigen „fremden“ Dialog, mehr als alles der anderen Religion kennen zu lernen. Sondern man muss aus seiner eigenen Religion heraus stark, offen und Frieden bringend wachsen.

 

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